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Antiziganismus…Islamophobie…

Mal vom „Antiziganismus“ gehört? Ich erst vor ein paar Tagen. Das Phänomen wurde in den TV-Nachrichten thematisiert. Offensichtlich gab es im vorigen Jahr in Deutschland 621 „antiziganistische“ Vorfälle.

Scheinbar besteht dieser Begriff erst seit ein paar Jahren und wird vom Zentralrat der Sinti und Roma verwendet, um die Diskriminierung gegen Sinti und Roma zu beschreiben.

Nebenbei: Der Begriff „Sinti“ könnte Spracheninteressierte interessieren. Vielleicht wissen Sie schon, dass das Volk der Sinti ursprünglich aus Indien stammte. Wussten Sie jedoch, dass sowohl sprachlich wie auch kulturell die „Sinti“ mit den „Hindus“ verwandt sind?

Fällt Ihnen hier etwas auf`? Ja, Sie haben es erraten: „Sinti“ und „Hindu“ sind Variationen desselben Wortstamms. Denn manchmal in den indogermanischen Sprachen erscheint ein „H“, wo in einer anderen, verwandten Sprache ein „S“ gesprochen wird. Es gäbe davon viele Beispiele. Hier nur eins: Das griechische Wort für „sieben“ heißt „hepta“. Auf Lateinisch sagte man „septem“.

Warum die „Roma“ ihren Namen tragen, weiß ich allerdings nicht. Mit der ewigen Stadt in Italien hat dies aber nichts zu tun. „Roma“ in der Sprache der Sinti (oder meine ich der Roma?) bedeutet jedenfalls „Mensch“. Auch „Inuit“ bedeutet „Mensch“. Manchmal nennen sich die Menschen „Menschen“.

Aber zurück zum „Antiziganismus“. Nein, noch nicht. Ich wollte zuerst kurz erzählen, dass das heute in Deutschland verpönte Wort „Zigeuner“ nichts mit „Ziehgauner“ zu tun hat, wie man früher dachte. „Zigeuner“, französisch „Tsigane“, wird aufs Ungarische „Czigány“ (sprich „tschiganj“) zurückgeleitet. Kein Mensch weiß aber, was das für eine Bewandtnis hat.

Und beim Wort „Antiziganismus“: Fällt Ihnen hier etwas auf? Ja genau. Der Begriff ist eine Nachbildung der bekannten Vokabel „Antisemitismus“, Das ist kein Zufall. Das wollte der Zentralrat der Sinti und Roma. Über „antiziganistische Fälle“ zu berichten, sollte an „antisemitische Fälle“ erinnern. Nebenbei: Auch der Begriff „Antisemitismus“ ist relativ neuen Datums. Der dt. Publizist Wilhelm Marr hat ihn erst 1879 aus dem Boden gestampft. Davor hat es lediglich den „Judenhass“ gegeben. Vielleicht sagte man vor dem „Antiziganismus“ „Hass auf Zigeuner“ u.d.gl. Oder vielleicht existierte kein pauschaler Begriff dafür!

Ist aber egal. Letztendlich sind heute weder der Antiziganismus noch der Antisemitismus mein eigentliches Thema. Mich interessiert etwas Sprachliches. Nur deshalb habe ich die Diskriminierung gegen Sinti und Roma und Juden verglichen.

Jetzt aber zu den Muslimen. Werden sie diskriminiert, ist die Rede von „Islamophobie“. Doch das bedeutet, dass man Angst vor Muslimen hat. Merkwürdig, oder? Man ist gegen (also „anti“) Juden und Sinti und Roma. Wenn ist aber um Muslime geht, hat man vor ihnen „Angst“.

Wovor Angst?, könnte man natürlich fragen. Eine ähnliche Sprechweise wird bzgl. Homosexuellen oder auch Transsexuellen gebraucht. Man wäre in dem Fall „homophobisch“ oder „transphobisch“.

Warum hasst man Juden, Sinti und Roma, hat aber Angst vor Muslimen, Homosexuellen und Transsexuellen?

Verzeihen Sie mir, wenn ich eingestehe, dass ich hier leider keine Antwort kenne. Vielleicht weiß Vorsitzender Google etwas, was ich nicht weiß. Ich hab ihn aber nicht gefragt. Auch ChatGPT könnte hilfreicher sein als ich.

Immerhin – zumindest im Fall vom Islam – könnte man mit dem Begriff „Antiislamismus“, schnell in die Bredouille kommen. Denn schließlich unterscheidet man heute zwischen „Islam“ und „Islamismus“. Da würde man Tür und Tor für Missverständnisse öffnen.

Buddhisten und Hindus scheinen all diese Probleme nicht zu haben. Noch nie habe ich von einem „Antibuddhismus“ bzw. einer „Buddhistophobie“ erfahren. Vielleicht gibt es auch dies, aber nicht in unserem Breitengrad.

Nun habe ich mehr Fragen aufgebracht als ich Antworten bieten kann. Ein schwieriges Gebiet wohl, das Land er Vorurteile.

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